TV-Beiträge

Immunangriff auf Krebs

Kölner arbeiten an maßgeschneiderter Therapie

"Wir versuchen das Immunsystem aufzurütteln, um eine effektive Attacke gegen Tumorzellen zu bewirken", sagt Michael Bergwelt.

Zu sehen online bei 3sat (Bericht vom Dienstag, 25. Januar 2011)



Impfen gegen Krebs

Stoff aus Tabak soll vor Lymphdrüsenkrebs schützen

Forscher erzeugen aus Tabak maßgeschneiderte Impfstoffe gegen das Non-Hodgkin-Syndrom, eine Form des Lymphdrüsenkrebs.

Zu sehen online bei 3sat (Bericht vom Montag, 8. März 2010)


2015 Februar | Das eigene Immunsystem als neue Waffe gegen Krebs
Mannheimer Morgen, Dienstag, 03.02.2015

"In aller Welt mehren sich die Berichte über Patienten, die im Endstadium einer Krebserkrankung von neuen Immuntherapien profitieren"



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2014 September | Onkologische Forschung: Auf der Suche nach der Achillesferse der Tumoren
Maligne Tumoren entwickeln sich dynamisch im Zusammenwirken mit ihrer Umgebung. Dadurch entsteht eine große biologische inter- und intraindividuelle Heterogenität, die sich in zahlreichen molekularen Subtypen widerspiegelt.

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2012 August | Mit Immunzellen gegen Krebs
Spektrumverlag

Das Immunsystem ist ein wirksamer Kämpfer gegen Krebs, wenn man es denn richtig nutzt. Die Grundidee stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. William Coley, ein US-Chirurg, injizierte Bakterien in Krebsgeschwulste und beobachtete, dass sich die Tumoren daraufhin zurückbildeten. Es schien, als kämpfe das Immunsystem nicht nur gegen die Bakterien, sondern auch gegen die Krebszellen.



Vier verschiedene Immunstrategien verfolgen die Forscher mittlerweile, von der unspezifischen Stimulation des Immunsystems bis hin zu Eingriffen in die Immunregulation. Einige der Therapien haben es sogar in die klinische Praxis geschafft. Läuten sie eine neue Ära der Krebsimmuntherapie ein?








2011 Juni | Impfung gegen Krebs
WirtschaftsWoche 28. Juni 2011

Innovative Medikamente sind erstmals in der Lage, die Abwehrkräfte des Körpers gegen Tumorzellen in Stellung zu bringen. Diese Krebsimpfungen und Immuntherapien, die gerade auf den Markt kommen, könnten die Volkskrankheit beherrschbar machen.



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2011 Oktober | Medizinnobelpreis

DIE ZEIT Nº 41/2011 - 6. Oktober 2011

Kommandeure der Selbstverteidigung

Die Nobelpreisträger für Medizin haben das Immunsystem beobachtet. Wer dessen Tricks kennt, kann sich gegen Krankheiten wappnen von Harro Albrecht

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2003 April | Die dentritische Zelle - Schlüssel für eine neuartige Immuntherapie des Krebses
Abteilung für Immunologie

Zentrum für Hygiene und Humangenetik

Universitätskliniken Göttingen

Prof. Dr. med. J. Hinrich Peters



Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz haben seit zwei Jahren in hochrangigen wissenschaftlichen Zeitschriften über eine neue Immuntherapie des Krebses berichtet. Die neuesten Nachrichten kommen aus Göttingen, wo diese Strategie erfolgreich gegen den Nierenkrebs eingesetzt werden konnte. Diese Immuntherapie beruht auf der Nutzung der dendritischen Immunzelle.



Wichtige Grundlagen für diese neue Therapie stammen ebenfalls aus Göttingen. Prof. J. Hinrich Peters und seine Arbeitsgruppe in der Abteilung für Immunologie konnten die Herkunft der dendritischen Zelle im Körper aufklären. Nachdem die Wissenschaftler die Stimulatormoleküle, die zur Ausreifung der Zelle führen, definiert hatten, konnten sie Vorstufen dieser Zelle aus dem Blut gewinnen und aus ihnen in der Zellkultur dendritische Zellen erzeugen. Mit den Ergebnissen dieser Grundlagenforschung schufen die Wissenschaftler die Basis für die allgemeine Nutzung der dendritischen Zellen für die Immuntherapie. Diese Erkenntnisse bilden auch das Fundament für den Einsatz der dendritischen Zelle als Grundlage einer neuartigen Impftherapie gegen den Krebs.



Neue aufsehenerregende Ergebnisse in der Immuntherapie des Krebses sind in den letzten Wochen öffentlich bekannt geworden. Was steckt dahinter?



Seit mehr als 100 Jahren versuchen Immunologen. einen Impfstoff gegen Tumoren zu entwickeln oder auf die verschiedensten Arten das Immunsystem so anzuregen, dass es sich gegen Tumoren wehren kann. Ob durch aufgelöste Bakterien oder Fiebertherapie, ob Impfung mit abgetöteten Tumorzellen oder Transfusion von aktivierten Killerzellen - in vielen Anlaufen setzten die Ärzte diese Immunstimulanzien bei Patienten ein. Trotz einiger ermutigender Ergebnisse, blieben diese am Ende jedoch nur Teilerfolge. Jetzt gelang es, eine neue Art der Tumorimpfung zu entwickeln, die auf den Erkenntnissen über die dendritische Zelle basieren.



Fast ein Außenseiter war Ralph Steinman an der Rockefelleruniversität in New York, der sich als junger Mann mit einer selten vorkommenden Zelle im Immunsystem befasste, die zwar schon von Mikroskopikern gesehen worden war, wegen ihres seltenen Vorkommens aber nur schwer zu beforschen war. Steinman nannte diese Zelle wegen ihrer verzweigten Zellfortsätze die "dendritische Zelle" (Dendron [griechisch] Baum). Ihm gelang es, die überragende Funktion dieser Zelle für die Auslösung der Immunreaktion zu beschreiben und zu messen. Ralph Steinman ist heute ein etablierter Forscher, weltbekannt auf diesem Gebiet und mit Preisen überhäuft.



Die dendritischen Zellen stellen die Außenposten des Immunsystems dar und sind, in relativ geringer Zahl, über den ganzen Körper verteilt. Ihre Funktion besteht zunächst darin, Antigene, also fremde, von außen kommende Stoffe, oder auch im Körper entstandene veränderte Moleküle, zu binden und in sich aufzunehmen. Im Inneren der Zelle werden die Antigene aber nicht vernichtet, sondern für die Präsentation aufbereitet, das heißt in ,,handliche" Bruchstücke aufgeteilt. Nach Aufnahme von Antigenen lösen sich die dendritischen Zellen aus dem Gewebe und wandern in die Lymphknoten oder in die Milz, wo große Mengen von Lymphozyten darauf warten, von ihnen stimuliert zu werden. Denn die Lymphozyten sind die eigentlichen ausführenden ,,Kämpfer" des Immunsystems. Die dendritischen Zellen sind dagegen ihre Instrukteure. Sie ,,präsentieren" auf ihrer Oberfläche die Antigene den Lymphozyten, zusätzlich mit weiteren Erkennungs- und Stimulationssignalen, die den Lymphozyten zeigen, dass die Stimulationsbemühung ,,ernsthaft" ist.



Lymphozyten können aber nur stimuliert werden, wenn sie eine sehr seltene Vorbedingung erfüllen: Sie müssen den auf das präsentierte Antigen passenden Rezeptor auf der Oberfläche haben. Und den kann der Lymphozyt sich nicht auswählen oder erwerben, sondern er ist ihm angeboren. Um das fast unendlich große Spektrum möglicher Antigene abzudecken, hat die Natur die Riesenarmee der Lymphozyten geschaffen, die mit vielen unterschiedlichen Rezeptoren ausgestattet sind. Und so kommt es, dass es auch Lymphozyten gibt, die auf neue, synthetische Antigene reagieren können, die es vorher noch nie gegeben hat.



Eine unvorstellbar große Leistung des Immunsystems liegt weiterhin darin, dass die dendritische Zelle mit dem präsentierten Antigen und die dazu passenden Lymphozyten sich finden. Zu erklären ist dieser Vorgang nur durch die große Eigenbeweglichkeit der Zellen, die Fähigkeit beider Zellen, sich im Gewebe frei zu bewegen, und durch die große Oberfläche der dendritischen Zellen. Die Oberflächenvergrößerung wird erreicht durch die segel- oder schleierförmigen Fortsätze, die der Zelle ihren Namen gegeben haben. Sie geben der Zelle ihre unnachahmliche phantastische Schönheit. In Filmaufnahmen zeigen sie ihre Beweglichkeit. Bringt man sie in der Kultur mit Lymphozyten zusammen und bietet man ein Antigen an, so bilden sich bald Zellhaufen um die dendritischen Zellen, wobei sich die Zellen in hoher Geschwindigkeit gegenseitig abtasten. Passen die Oberflächenmoleküle nicht zusammen, lösen sich die Zellen bald wieder voneinander. Haben sie sich aber gegenseitig erkannt, passt also das Antigen in die Erkennungstasche des Lymphozyten~Rezeptors, dann bleiben die Zellen für vielleicht 20 Minuten zusammen, um stimulatorische Signale auszutauschen. Und aus den zu beobachtenden Mengenverhältnissen geht auch die funktionelle Potenz der dendritischen Zellen hervor. Eine dendritische Zellen reicht aus, um mehrere Tausend Lymphozyten zu stimulieren So kann man die dendritische Zelle also als die Kommandozentrale der spezifischen Immunreaktion bezeichnen.



Von den dendritischen Zelten ausgehende Signale bringen die Lymphozyten aus der Ruhe, stimulieren sie und regen sie zur Zellteilung, also zur Vermehrung an. Besonders die zelltötenden Lymphozyten, die eigentlichen ,,Killerzellen", vermehren sich nun und werden zum Ausschwärmen in den Körper vorbereitet. Damit haben die dendritischen Zellen ihre Aufgabe erfüllt. Ob sie dies mehrfach oder länger tun können, ist noch ungeklärt, aber wahrscheinlich ist es, dass sie nach vollbrachter Präsentation bald den vorprogrammierten Zelltod sterben.



Warum sind die Immunologen so spät auf diese Starterzelle der Immunreaktion gekommen? Zunächst einmal gilt, dass auch andere Zellen des Immunsystems antigenpräsentierende Zellen aktiv sind, wenn auch in wesentlich geringerer Aktivität als die dendritischen Zellen. So fiel der Blick nicht unmittelbar auf die dendritischen Zellen. Und alle antigenpräsentierenden Zellen zusammen galten als eine Horde von unintelligenten Zuträgern oder "innocent bystanders".



Und über viele Jahre war die immunologische Forschung fixiert auf das Phänomen der Spezifität, das heißt die immense Vielfalt der Oberflächenrezeptoren von Lymphozyten und die Frage, wie diese vom genetischen Programm her bereitgestellt werden konnte.



Weiterhin war die Gewinnung der dendritischen Zellen aus dem Gewebe mühsam, und nie gelang es, sie ohne Beimengungen anderer Zellen zu isolieren.



Um sie erforschen zu können, ging Prof. Peters (1982 berief die Universität Göttingen ihn auf eine Professur an der Abteilung für Immunologie) einen anderen Weg. Er nahm sich vor, die Entstehungsgeschichte der dendritischen Zellen aufzuklären, dann ihre Vorstufen in die Zellkultur zu nehmen und zu erforschen, mit welchen Signalmolekülen die Differenzierung zu dendritischen Zellen möglich sei Das Problem lag darin, dass die Vorstufen nicht bekannt waren. (Damals hielt die etablierte Immunologie die dendritische Zelle noch nicht für wichtig. So konnte er in Ruhe seine Forschung von Mäusen - dem damals üblichen Forschungsobjekt der Immunologen - auf den Menschen übertragen - ein schwieriges Unterfangen, denn der Mensch ist kein Versuchstier Er machte sich daran, diese Zellen aus dem menschlichen Blut zu gewinnen - mit Unterstutzung durch die Abteilung für Transfusionsmedizin der Göttinger Universität.)



Ein erster Durchbruch gelang 1987, als die Arbeitsgruppe um Prof. Peters behauptete, Vorstufen der dendritischen Zellen identifiziert zu haben, eng verwandt mit den schon bekannten Zellen der "myelomonozytären" Zellreihe. Aus ihr entstehen u.a. weiße Blutkörperchen mit dem Namen "Monozyten". Träfe diese Verwandtschaft zu, könnten dendritische Zellen vielleicht aus den im Blut reichlich vorkommenden Monozyten durch Umlenkung ihrer Entwicklung in der Zellkultur gewonnen werden.



Aber die Zuordnung der dendritischen Zellen zu den myeloiden Zellen verstieß gegen die herrschende Lehrmeinung, nach der dendritische Zellen eine eigene Zelllinie seien. Die Beweisführung des Gegenteils war ein hartes Stück Puzzelarbeit, die sich über viele Jahre hinzog.



Die Arbeitsgruppe Peters schaffte es dann tatsachlich, Monozyten in der Zellkultur zu dendritischen Zellen umzuwandeln. Die Forscher konnten die für den Differenzierungsschritt entscheidenden Induktoren definieren. Diese Wachstumsfaktoren oder Zytokine mit den Namen GM-CSF = Granulozyten-Magrophagen-Kolonie-stimulierender Faktor und IL-4 = Interleukin 4 stellen heute die Grundlage aller gängigen Rezepturen dar, um aus Monozyten dendritische Zellen zu generieren.



Erst Mitte der 90er Jahre hatten sich diese Erkenntnisse endlich durchgesetzt. Ralph Steinman mochte sich dieser These lange nicht anschließen, widersprach sie doch seiner eigenen Vorstellung, dass die dendritische Zelle eine unabhängige Zelllinie darstellt.



Heute hat sich das Blatt lange gewendet. und in 5 von 6 Fallen in denen menschliche dendritische Zellen hergestellt werden, werden sie aus Monozyten hergestellt. Tag für Tag werden auch am Rockefeller-Institut dendritische Zellen aus Monozyten für die AIDS-Forschung hergestellt, denn das AIDS-Virus benutzt diese Zelle als Eingangspforte in das Immunsystem.



Keinem Immunologen musste mehr gesagt werden, wofür man die dendritischen Zellen sonst noch nutzbringend einsetzen konnte. Für alle spezifischen Immunreaktionen von der Allergie bis zur Organabstoßungsreaktion oder Organtransplantation und der Reaktion gegen Tumoren hat die dendritische Zelle eine Schlüsselfunktion als Schaltzentrale.

Heute werden etwa 1000 Publikationen pro Jahr über dendritische Zellen veröffentlicht, allein ein Drittel hiervon befasst sich mit der Tumorimmunologie mit dem Ziel der Impfung. Dabei handelt es sich zunächst nicht um eine Impfung im klassischen Sinn, nämlich zur Verhütung, sondern um eine Impfbehandlung bei bereits vorhandenen Tumoren.



Für die Bekämpfung von Tumoren wird die dendritische Zelle als Lebendimpfstoff eingesetzt. Der Impfstoff besteht also aus der lebenden dendritische Zelle des jeweiligen Patienten, die mit Bruchstücken seiner abgetöteten Tumorzellen in der Zellkulturschale gefüttert und dann in den Patienten zurückinjiziert wird, um im Körper eine Immunreaktion gegen den Tumor auszulösen. Der Patient erhält einen für ihn individuell hergestellten ,,Lebendimpfstoff".



Ganze Kongresse widmen sich inzwischen dieser Zelle und neuerdings werden Tagungen abgehalten, die sich nur mit dem Einsatz der dendritischen Zelle gegen Krebs befassen. Die erste deutsche Tagung zur "Tumorvakzinierung mit dendritischen Zellen" wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Immunologie am 24. und 25. März 2000 in Göttingen abgehalten, geleitet von Prof. Peters. Hier wurden die ersten Patientenstudien zur Tumorimpfung, die bereits in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht wurden, ebenso wie weitere laufende klinische Studien, die noch nicht abgeschlossen sind, diskutiert.

   
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